Shopware ist als Shopsystem gut für Suchmaschinen gerüstet. Viele Shops verschenken trotzdem Sichtbarkeit, weil die Grundeinstellungen nie angepasst wurden: kryptische URLs, fehlende Beschreibungen, doppelte Inhalte durch Varianten oder Filter. In diesem Ratgeber gehen wir die Einstellungen in der Shopware-6-Administration der Reihe nach durch und zeigen, worauf du jeweils achten solltest. Wie du dich in der Administration zurechtfindest, erklärt unser Artikel zur Shopware 6 Administration.
SEO-URLs einrichten
Die Adressen deiner Produkte, Kategorien und Landingpages erzeugt Shopware aus Vorlagen. Du findest sie unter Einstellungen > Shop > SEO. Es gibt drei Vorlagen: für die Produktdetailseite, für die Kategorieseite und für die Landingpage.
Die Vorlagen sind in der Template-Sprache Twig geschrieben. Du kombinierst darin Variablen, zum Beispiel:
| Seitentyp | Beispiel-Vorlage | Ergebnis |
|---|---|---|
| Produkt | {{ product.translated.name }}/{{ product.productNumber }} | /trekkingrucksack-40l/SW10012 |
| Produkt ohne Nummer | {{ product.translated.name|lower }} | /trekkingrucksack-40l |
| Kategorie (Standard) | {% for part in category.seoBreadcrumb %}{{ part }}/{% endfor %} | /outdoor/rucksaecke/ |
| Landingpage | {{ landingPage.translated.url }} | /sommer-sale |
Ein paar Regeln haben sich bewährt:
- Kurz und lesbar: Der Produktname reicht meist. Die Artikelnummer hilft nur, wenn mehrere Produkte gleich heißen.
- Kleinbuchstaben: Mit dem Filter
|lowervermeidest du Groß- und Kleinschreibungs-Varianten derselben URL. - Keine wechselnden Werte: Preis, Lagerbestand oder Datum gehören nicht in die URL, sonst ändert sie sich ständig.
- Pro Verkaufskanal möglich: Über das Feld „Verkaufskanal“ oben in den SEO-Einstellungen legst du abweichende Vorlagen für einzelne Kanäle fest. Leer bedeutet: globale Einstellung.
Shopware zeigt dir unter jeder Vorlage eine Vorschau und prüft, ob das Template gültig ist. Nach einer Änderung musst du die vorhandenen URLs neu erzeugen lassen. Das geschieht über den Indexer, auf der Konsole mit:
php bin/console dal:refresh:index
Ändert sich eine URL, bleibt die alte Adresse in Shopware erhalten. Mit der Option „Statt Canonical URLs direkt per HTTP 301 auf die aktuellste URL leiten“ leitet Shopware alte Adressen per 301-Weiterleitung auf die neue um. Das empfehlen wir: So gehen Links und Rankings der alten URL nicht verloren.
Meta-Titel und Meta-Beschreibung
Der Meta-Titel ist die blaue Überschrift im Suchergebnis, die Meta-Beschreibung der Text darunter. Beide pflegst du im Tab SEO des jeweiligen Produkts, der Kategorie oder der Landingpage. Bei Produkten stehen dort die Felder „Meta-Titel“, „Meta-Beschreibung“ und „Schlüsselwörter“.
- Meta-Titel: etwa 50–60 Zeichen, wichtigster Begriff vorne, Shopname am Ende. Shopware selbst empfiehlt, 70 Zeichen nicht zu überschreiten.
- Meta-Beschreibung: etwa 130–160 Zeichen, mit einem konkreten Vorteil (Lieferzeit, Auswahl, Beratung) und einer Aufforderung.
- Schlüsselwörter: spielen für Google keine Rolle mehr. Das Feld kannst du leer lassen.
Leere Felder füllt Shopware automatisch, beim Produkt etwa aus dem Produktnamen und dem Anfang der Beschreibung. Das ist besser als nichts, aber selten gut. Pflege die Meta-Daten zuerst für die Seiten, die schon Besucher bringen oder bringen sollen: Startseite, Hauptkategorien und deine wichtigsten Produkte. Welche das sind, siehst du in der Google Search Console.
Im selben Tab findest du bei Produkten auch die Open-Graph-Daten (OG-Titel, OG-Beschreibung, OG-Bild). Sie bestimmen, wie ein geteilter Link in sozialen Netzwerken und Messengern aussieht.
Kategorien als Einstiegsseiten
Für allgemeine Suchanfragen wie „wanderrucksack“ oder „bio tee kaufen“ rankt fast immer eine Kategorieseite, nicht ein einzelnes Produkt. Deshalb lohnt es sich, Kategorien wie eigene Einstiegsseiten zu behandeln:
- Eindeutige Überschrift: Der Kategoriename ist meist die H1. Wähle ihn so, wie Kunden suchen.
- Einleitender Text: zwei bis drei Sätze über der Produktliste, die erklären, was es hier gibt. Ausführlichere Ratgebertexte gehören unter die Liste.
- Eigenes Layout: Mit Erlebniswelten gestaltest du Kategorien mit Text, Bildern und Produktlisten. Achte darauf, dass das Listing selbst nicht unter vielen Bannern verschwindet.
- Keine doppelten Kategorien: Zwei Kategorien mit fast gleichem Inhalt konkurrieren miteinander. Lege lieber eine starke Kategorie an.
Hat ein Produkt mehrere Kategorien, legst du im SEO-Tab unter „SEO-URLs“ die Hauptkategorie fest. Sie bestimmt den Pfad in der Produkt-URL und in der Brotkrumen-Navigation.
Varianten und Canonical-URLs
Ein T-Shirt in fünf Größen und vier Farben sind in Shopware 20 Varianten – jede mit eigener URL. Unterscheiden sich die Varianten kaum, entsteht Duplicate Content: Google sieht viele fast gleiche Seiten und muss raten, welche es anzeigen soll.
Dafür gibt es im SEO-Tab des Produkts die Option „Verwende dieselbe Canonical-URL für alle Varianten“. Sie erscheint nur, wenn das Produkt Varianten hat. Unter „Variante für Canonical-URL“ wählst du dann, welche Variante die bevorzugte Adresse liefert. Alle anderen Varianten verweisen per Canonical-Tag auf diese.
Wann was sinnvoll ist:
- Gemeinsame Canonical-URL: wenn sich Varianten nur in Größe oder Farbe unterscheiden und niemand gezielt nach einer Variante sucht.
- Eigene URL je Variante: wenn Varianten eigenständig gesucht werden, etwa „iPhone-Hülle schwarz“ gegenüber „iPhone-Hülle transparent“, und eigene Texte und Bilder haben.
Filter, Suche und Seitenzahlen
Filter, Sortierung und Seitenzahlen hängt Shopware als URL-Parameter an, zum Beispiel ?order=price-asc oder ?p=2. Daraus können tausende Adressen mit fast gleichem Inhalt entstehen, die das Crawl-Budget verbrauchen.
- Verlinke in Menüs und Texten immer die saubere Kategorie-URL ohne Parameter.
- Sperre Parameter-URLs in der robots.txt, wenn Google viele davon crawlt (zu sehen im Bericht „Seiten“ der Search Console).
- Soll eine gefilterte Ansicht ranken, etwa „Rucksäcke 40 Liter“, lege dafür eine eigene Kategorie oder Landingpage mit eigener URL und eigenem Text an, statt die Filter-URL zu bewerben.
XML-Sitemap
Shopware erzeugt die XML-Sitemap automatisch. Sie liegt unter https://deine-domain.de/sitemap.xml, bei großen Shops verteilt auf mehrere Dateien. Die Einstellungen findest du unter Einstellungen > Inhalte > Sitemap. Bei der Aktualisierung hast du drei Möglichkeiten:
- Geplant: Die Sitemap wird regelmäßig über eine geplante Aufgabe neu erzeugt. Dafür müssen die geplanten Aufgaben deines Shops laufen.
- Live: Die Sitemap wird beim Aufruf erzeugt, wenn sie fehlt oder älter als das eingestellte Intervall ist.
- Manuell: Shopware erzeugt sie nur auf Befehl:
php bin/console sitemap:generate
Reiche die Sitemap in der Google Search Console ein und prüfe dort gelegentlich, ob die Zahl der eingereichten und indexierten Seiten zusammenpasst. Eigene Adressen ergänzen oder ausschließen geht nur per Erweiterung.
robots.txt
Die robots.txt sagt Suchmaschinen, welche Bereiche sie nicht crawlen sollen. Shopware legt sie nicht automatisch an. Bis Version 6.7.0 erstellst du sie als Textdatei im Ordner public deiner Installation. Seit Shopware 6.7.1 pflegst du die Regeln in der Administration in den Stammdaten-Einstellungen, auf Wunsch getrennt je Domain.
Ein bewährter Ausgangspunkt, angelehnt an die Shopware-Dokumentation:
User-agent: *
Allow: /
Disallow: */?
Disallow: */account/
Disallow: */checkout/
Disallow: */widgets/
Disallow: */navigation/
Disallow: */bundles/
Sitemap: https://deine-domain.de/sitemap.xml
Strukturierte Daten
Strukturierte Daten helfen Google, Inhalte einzuordnen, und ermöglichen Rich Snippets mit Preis, Verfügbarkeit oder Sternen. Die Standard-Storefront von Shopware gibt auf Produktseiten bereits Produktdaten nach schema.org aus, darunter Name, Bild, Preis und Verfügbarkeit, bei Bewertungen auch die Durchschnittsnote.
Prüfe deine Produktseiten mit dem Google-Test für Rich-Suchergebnisse. Eigene Themes oder Plugins entfernen die Auszeichnungen manchmal unbemerkt. Was oft fehlt und sich ergänzen lässt: Angaben zur Organisation (Name, Logo, Kontakt) auf der Startseite und Brotkrumen-Daten.
Ladezeit und Core Web Vitals
Schnelle Seiten ranken nicht automatisch besser, langsame verlieren aber Besucher – vor allem auf dem Handy. Die größten Hebel in Shopware:
- Bildgrößen: Shopware erzeugt beim Hochladen Vorschaubilder in mehreren Größen. Nutze sie, statt Originalbilder mit mehreren tausend Pixeln auszuliefern. Das gilt besonders für große Bilder oben auf der Seite und in Erlebniswelten.
- HTTP-Cache: Im Produktivbetrieb sollte der HTTP-Cache aktiv sein, bei viel Besuch ergänzt durch einen Reverse Proxy.
- Plugins: Jedes Plugin kann zusätzliche Skripte und Stylesheets laden. Entferne, was du nicht brauchst.
- Hosting: Ausreichend Leistung, aktuelle PHP-Version und ein Server in der Nähe deiner Kunden.
Ein Beispiel von unserer eigenen Website: Auf der Seite „Über uns“ haben wir das große Bild im Kopfbereich auf dem Handy durch das 800-Pixel-Vorschaubild ersetzt, das Shopware ohnehin erzeugt. Der PageSpeed-Wert für Mobilgeräte stieg dadurch von 67 auf 83, die Ladezeit des größten Elements sank von 6,8 auf 4,6 Sekunden.
Mehrere Sprachen und Verkaufskanäle
Betreibst du einen Shop in mehreren Sprachen oder Ländern, legst du dafür in Shopware eigene Domains im Verkaufskanal an. Damit Google jeder Sprache die richtige Version zuordnet, gibt Shopware hreflang-Angaben aus, wenn du die Option in den Einstellungen des Verkaufskanals aktivierst. Übersetze dann auch Meta-Daten und SEO-URLs – eine deutsche URL in einem englischen Shop wirkt unprofessionell.
Brauchst du ein SEO-Plugin?
Für die Grundlagen nicht. URLs, Meta-Daten, Canonicals, Sitemap und – ab 6.7.1 – die robots.txt deckt Shopware selbst ab. Plugins lohnen sich, wenn du viele Seiten auf einmal bearbeiten willst (zum Beispiel Meta-Daten nach Vorlagen für tausende Produkte), Weiterleitungen in großer Zahl verwalten musst oder zusätzliche strukturierte Daten brauchst. Prüfe vor dem Kauf, ob das Plugin zu deiner Shopware-Version passt und was es an Skripten im Frontend mitbringt.
Wir prüfen deinen Shop technisch und inhaltlich und setzen die Maßnahmen direkt in Shopware um.
Checkliste: Shopware SEO in 12 Punkten
- SEO-URL-Vorlagen für Produkte, Kategorien und Landingpages festgelegt
- Index nach Änderungen neu aufgebaut (
dal:refresh:index) - 301-Weiterleitung statt Canonical für alte URLs aktiviert
- Meta-Titel und -Beschreibung für Startseite, Hauptkategorien und Topseller gepflegt
- Kategorien mit klarer Überschrift und kurzem Einleitungstext
- Hauptkategorie bei Produkten in mehreren Kategorien gesetzt
- Canonical-URL für Varianten bewusst entschieden
- Filter- und Sortier-URLs nicht intern verlinkt, bei Bedarf in der robots.txt gesperrt
- Sitemap erreichbar und in der Search Console eingereicht
- robots.txt angelegt und getestet
- Produktdaten im Rich-Results-Test geprüft
- Bilder in passenden Größen, HTTP-Cache aktiv, unnötige Plugins entfernt
Mehr zu Inhalten, Keywords und Linkaufbau für Onlineshops liest du in unserem Artikel SEO im Onlineshop. Einzelne Fachbegriffe erklärt das SEO-Glossar.
Häufige Fragen
Ist Shopware gut für SEO?
Ja. Shopware 6 bringt SEO-URL-Vorlagen, Meta-Daten, Canonical-URLs, eine automatische Sitemap und strukturierte Daten für Produkte mit. Wie gut ein Shop rankt, hängt aber vor allem von Einstellungen, Inhalten und Ladezeit ab.
Wo finde ich die SEO-Einstellungen in Shopware 6?
Die URL-Vorlagen unter Einstellungen > Shop > SEO, die Sitemap unter Einstellungen > Inhalte > Sitemap. Meta-Daten pflegst du im Tab „SEO“ des jeweiligen Produkts, der Kategorie oder der Landingpage.
Wie baue ich den SEO-Index in Shopware neu auf?
Auf der Konsole mit php bin/console dal:refresh:index. Das erzeugt die SEO-URLs nach den aktuellen Vorlagen neu. Bei großen Shops kann das eine Weile dauern; plane es außerhalb der Hauptverkaufszeit ein.
Warum zeigt Shopware „Es sind noch keine SEO-URLs vorhanden“?
Meist wurde der Index nach dem Anlegen oder Importieren noch nicht aufgebaut, oder die Hintergrundprozesse (Message Queue) laufen nicht. Prüfe außerdem, ob das Produkt dem Verkaufskanal zugeordnet und aktiv ist, und baue den Index dann neu auf.
Brauche ich ein SEO-Plugin für Shopware?
Für die Grundlagen nicht. Plugins helfen bei Massenbearbeitung von Meta-Daten, vielen Weiterleitungen oder zusätzlichen strukturierten Daten.
Ist SEO für Onlineshops noch sinnvoll, wenn Google KI-Antworten zeigt?
Ja. KI-Übersichten greifen auf gut strukturierte, gut auffindbare Seiten zurück und verlinken sie als Quelle. Wer Kaufabsicht hat, landet weiterhin auf Kategorie- und Produktseiten. Saubere Technik und hilfreiche Inhalte sind dafür die Voraussetzung.
